Glossar | ABC of Refiguring Spaces

Der SFB untersucht die Refiguration von Räumen aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen. Um eine gemeinsame Terminologie zu entwickeln, die sowohl anschlussfähig an die Diskurse in den beteiligten Fächern als auch offen für neue Begriffsbildungen ist, wurde das folgende Register zentraler Arbeitsbegriffe begonnen und während der ersten und zweiten Förderperiode in der gemeinsamen Arbeit weiterentwickelt.

Akteur*innen
Akteur*innen

Unter Akteur*innen verstehen wir sozial handelnde und interagierende Subjekte. Wir negieren damit nicht die Gebundenheit des Handelns an soziale Strukturen und deren Folgen für die Formen der Subjektivierung, interessieren uns aber insbesondere dafür, wie Akteur*innen mit ihren verkörperten Standpunkten mit diesen Strukturen handelnd umgehen, wie sie sie erfahren und erzeugen. Als kollektive Akteur*innen betrachten wir soziale Gruppen, Verbünde oder Organisationen (wie z. B. NGOs), die koordiniert und kooperativ räumliche Strukturen vor dem Hintergrund geteilter Erfahrungen und eines gemeinsamen Wissensbestandes bearbeiten.

(Action
Communicative Action)
Handeln,
kommunikatives Handeln
(Action
Communicative Action)
Handeln,
kommunikatives Handeln

  • Prof. Dr. Hubert Knoblauch

Der Begriff des Handelns beschreibt in der Tradition Max Webers jenes menschliche Tun oder Unterlassen, das für die/den Handelnden mit einem subjektiven Sinn verbunden ist, der rational, affektual, habituell-traditional oder auch wertorientiert sein kann. Mit dem für unseren SFB zentralen Begriff des kommunikativen Handelns nehmen wir gezielt diejenigen Formen des Handelns in den Blick, die als leiblich verkörpertes, wechselseitig orientiertes soziales Handeln oder auch als wechselseitig realisierte Interaktion zwischen Akteur*innen durch Objektivierungen sozial in Erscheinung treten. Es umfasst damit das kommunikative Handeln im Sinne Habermas’ als den zeichenhaften und sprachlichen Austausch von Botschaften, weitet es aber im Sinne des kommunikativen Konstruktivismus auf körperliche Performanz und materiale Objektivierungen aus. Sie bilden den empirischen Bezugspunkt wie auch die theoretische Grundlage für die daraus konstituierten gebildeten Institutionen, die Sozial- und Infrastrukturen umfassen können. Da wir mit einem breiten Handlungsbegriff arbeiten, schließt das kommunikative Handeln in diesem Sinne ebenfalls routinisierte Handlungen und Praktiken ein.

Bahnenraum
Bahnenraum

Der Bahnenraum ist eine lang etablierte Form der Raumkonstitution. Mit zunehmender Mobilität (vor allem auch der motorisierten) werden Bahnenräume jedoch im Alltag dominanter, sie verfestigen sich unausweichlich als Autobahnen und Eisenbahnstrecken und institutionali­sieren sich in Flugrouten. Der Bahnenraum lebt von der Zirkulation und der materiellen Ermöglichung der Zirkulation. Anders als Orte suggerieren Bahnenräume keine Identitäten und laden nicht zum Verweilen ein. Die Logik, die dem Bahnenraum innewohnt, ist die der Durchquerung.

Borders
Borders

  • Prof. Dr. Steffen Mau

Circulation
(Zirkulation)
Circulation
(Zirkulation)

  • Prof. Dr. Stefan Kirchner

Zirkulation beschreibt verkoppelte Bewegungen von Menschen, Gütern und Technologien zwischen Orten. Sobald sich diese verkoppelten Bewegungen zu verfestigen beginnen, entstehen Raumanordnungen. Mit anderen Worten: Zirkulation bezeichnet Ordnungen der Mobilität (von Menschen, Gütern und Technologien), die meist mit einer nichtmobilen Infrastruktur (aus Menschen, Gütern und Technologien) und institutionellen Struktur verbunden ist.

Container-Raum
Container-Raum

Das Modell des Container-Raums steht für die seit der Antike bekannte Vorstellung vom Raum als Behälter, der entweder leer sein kann (und auch dann noch existent ist) oder der mit Dingen und Lebewesen gefüllt ist, sich durch die Art der „Befüllung“ allerdings nicht verändert. Übertragen auf die Sozialwissenschaften führt dies zu einem Raumverständnis, in dem Raum als unabhängig von Akteur*innen und deren Handeln gedacht wird. Gemäß dieser Raumvorstellung gibt es bewegte Handlungen und Körper in einem an sich unbewegten Hintergrundraum.

(Digitale)
Mediatisierung
(Mediatization)
(Digitale)
Mediatisierung
(Mediatization)

  • Dr. Eric Lettkemann

Unter Mediatisierung verstehen wir die Veränderungen der medialen Vermittlung kommunikativen Handelns. In Anlehnung an Krotz und Hepp gehen wir davon aus, dass die Mediatisierung zu neuen (auch „kommunikativen“) Figurationen führt. Diese umfassen die Beziehungs- und Machtstrukturen ebenso wie die damit verbundenen soziotechnischen Infrastrukturen. Während Mediatisierung im Sinne von Krotz einen langfristigen globalen („Meta-“)Prozess bildet, haben wir es im von uns beobachteten Zeitraum mit sehr spezifischen Prozessen der Mediatisierung zu tun, die mit der rasanten Ausbreitung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (Internet) zusammenhängen. Die gegenwärtige Form der Mediatisierung zeichnet sich durch eine fortschreitende Digitalisierung aus, die die Translokalisierung von Akteur*innen und Handlungen verstärkt und die zunehmende Polykontexturalisierung ermöglicht.

Emotionen/
Affekte
Emotionen/
Affekte

Sprecher*in(nen):

  • Dr. Michael Wetzels

Unter Emotionen verstehen wir physiologisch bestimmbare körperliche Prozesse (Gefühle) menschlicher Akteur*innen (z. B. Liebe oder Hass), die diese mit sozial als angemessen geltenden Ausdrucksformen kommunizieren. Affekte hingegen beziehen sich auf eine relationale Ebene von Emotionalität und sind mit unreflektierten Wertungen verbunden (gut, schlecht). Sie speisen sich aus der Wechselwirkung mit anderen und der Welt sowie der Resonanz auf andere und die Welt. Im Unterschied zu Emotionen, die mit dem leibkörperlichen Subjekt verbunden sind, blicken wir mit dem Begriff des Affektes auf die Relation auf andere und das Affiziert-Werden in und durch diese Relation. Weil diese Relationen räumlich sind, bestehen Affekte auch in der Wechselwirkung des Subjekts mit Räumen.

Figuration
Figuration

Sprecher*in(nen):

  • Prof. Dr. Hubert Knoblauch

Wir verwenden den Begriff der Figuration im Sinne Norbert Elias’ als stets dynamisches Geflecht sozialer wie räumlicher Beziehungen. Der Figurationsbegriff ist für uns unter anderem deshalb fruchtbar, weil er es erlaubt, soziale Gebilde über unterschiedliche Skalen und Größe hinweg – von der Nachbarschaft über den Staat bis hin zu globalen Raumanordnungen – als zusammenhängende Dependenzgeflechte zu erfassen. Damit fungiert er als vermittelnde Kategorie zwischen der subjektiven Ebene der Akteur*innen, ihren Handlungen, Erfahrungen, Affekten und ihrem Raumwissen (Psychogenese) und der Dynamik gesellschaftlicher Entwick­lungen und institutionalisierter Raumanordnungen (Soziogenese).

Figure
Figure

  • Prof. Dr. Martina Löw

Gender and Space
Gender and Space

  • Dr. Lucie Bernroider

Handeln, kommunikatives Handeln
Handeln, kommunikatives Handeln

Der Begriff des Handelns beschreibt in der Tradition Max Webers jenes menschliche Tun oder Unterlassen, das für die/den Handelnden mit einem subjektiven Sinn verbunden ist, der rational, affektual, habituell-traditional oder auch wertorientiert sein kann. Mit dem für unseren SFB zentralen Begriff des kommunikativen Handelns nehmen wir gezielt diejenigen Formen des Handelns in den Blick, die als leiblich verkörpertes, wechselseitig orientiertes soziales Handeln oder auch als wechselseitig realisierte Interaktion zwischen Akteur*innen durch Objektivierungen sozial in Erscheinung treten. Es umfasst damit das kommunikative Handeln im Sinne Habermas’ als den zeichenhaften und sprachlichen Austausch von Botschaften, weitet es aber im Sinne des kommunikativen Konstruktivismus auf körperliche Performanz und materiale Objektivierungen aus. Sie bilden den empirischen Bezugspunkt wie auch die theoretische Grundlage für die daraus konstituierten gebildeten Institutionen, die Sozial- und Infrastrukturen umfassen können. Da wir mit einem breiten Handlungsbegriff arbeiten, schließt das kommunikative Handeln in diesem Sinne ebenfalls routinisierte Handlungen und Praktiken ein.

Hybrid Mapping
Hybrid Mapping

Sprecher*in(nen):

  • Dr. Séverine Marguin
  • Dr. Jamie Scott Baxter

Die hybrid mapping-Methode ist eine interpretative Analysemethode, die auf der visuellen Synthese heterogener Daten (quantitativ/qualitativ, multimodal) basiert und interdisziplinäre Wissensformen aus der Designpraxis und der sozialwissenschaftlichen Forschung kombiniert. Die erste Operation erfolgt durch die räumliche Kodierung von qualitativen Interviews und ethnografischen Daten in verschiedenen Einzelzeichnungen, die Raumwissen, Raumhandeln und Raumstrukturen auf relationale Weise integrieren. Darauf folgt ein iterativer und abduktiver Kompositionsprozess, in dem die einzelnen Zeichnungen zu synthetischen Mappings zusammengefügt werden, um die vielfältigen räumlichen Arrangements, die in diesen Zusam­menhängen wirken, herauszuarbeiten. Die konzeptionelle Analyse erfolgt sowohl durch das visuelle Herausarbeiten von Kongruenz-, Distanz- und Konfliktpunkten als auch durch die Arbeit an der Legende sowie Anmerkungen im Mapping.

Imaginäre, das
Imaginäre, das

Im Gegensatz zur individuellen Imagination als Bedingung sozialer Handlungsentwürfe verweist der Begriff des sozialen Imaginären auf ein institutionalisiertes und kollektives Wissen, welches nicht als ein Gegenbegriff zur sozialen Wirklichkeit, sondern als ein konsti­tutiver Teil ihrer kommunikativen Konstruktion verstanden werden kann. Als kollektive Repräsentationen sozialer Wirklichkeiten verweisen Imaginäre sowohl auf die Bedingungen sozialen Wandels über erstrebenswerte Zukünfte im Zusammenhang mit kreativen, produkti­ven und innovativen Handlungsprozessen, als auch auf reproduktive, mimetische, normative und strukturelle Aspekte der Raumkonstruktion. Auf der Ebene subjektiven Raumwissens bilden Raumimaginationen somit die Bedingung für das Vorstellen, Erleben, Erfahren, Entwer­fen von Räumen als Spacing, während das räumliche Imaginäre auf gesellschaftliche, kulturelle, normative und idealisierte Wissensbestände im Zusammenhang mit Raumlogiken und Raumstrukturen sowie auf die Bedingungen ihrer Refiguration verweisen.

Infrastructures
Infrastructures

  • Prof. Dr. Silke Steets

Institution/
Institutionalisierung
Institution/
Institutionalisierung

Institutionen definieren wir als typische und dauerhaft in Routinen reproduzierte soziale Handlungsmuster. So lässt sich beispielsweise die Institution „Staat“ als ein räumliches Gebilde konzipieren, das durch routinisiertes staatliches Handeln, wie etwa die Sicherung von Grenzen oder das Sprechen von Recht, fortwährend reproduziert wird. Diese Konzeption erlaubt es uns, Institutionen als etwas Prozesshaftes, performativ Hergestelltes zu denken. Mit Institutionalisierung soll daher die Herausbildung neuer (räumlicher) Gebilde bezeichnet werden, mit De-Institutionalisierung das Obsoletwerden einst für gewiss gehaltener (räumlicher) Routinen.

Juxtaposition
Juxtaposition

  • Dr. David Joshua Schröder

(Knowledge)
Wissen
(Knowledge)
Wissen

  • Dr. René Tuma

Während „Sinn“ die subjektive Orientierung von Akteuren bezeichnet, bezieht sich der Begriff „Wissen“ auf den sozial vermittelten, anerkannten und als „gewiss“ geltenden Sinn, der typischerweise das Handeln leitet. Wissen umfasst nicht nur explizite und sprachliche Formen, sondern auch „implizite“ leibliche („Sehgemeinschaften“), habitualisierte („Körpertechniken“) und routinisierte („communities of practice“) Formen bis hin zu den basalen lebensweltlichen Kategorien von Zeit und Raum. Wissen wird in Zeichen, Artefakten und Technologien objektiviert, die im Handeln jeweils situativ realisiert werden. Weil das meiste Wissen der Akteuren von anderen und über andere erworben wird, ist es vom jeweiligen sozialen Standpunkt und der sozialen Ordnung abhängig. Wissen unterscheidet sich deswegen nach der institutionellen Ordnung, der damit verbundenen Sonderwissensbestände (Expertinnen/Professionelle) wie auch nach den Strukturen der sozialen Ungleichheit (Alter, Geschlecht, Klassen etc.). Da Wissen definiert, was als Wirklichkeit konstruiert wird, ist es eine der zentralen gesellschaftlichen Quellen von Macht.

Kommunikation/kommunikatives Handeln
Kommunikation/kommunikatives Handeln

Unter Kommunikation oder kommunikativem Handeln verstehen wir ein wechselseitiges, verkörpertes und objektiviertes Wirkhandeln, das sich – im Gegensatz zur subjektiven Intentionalität und Affektivität der handelnden Akteur*innen – durch Objektivationen, Zeichen und Symbole empirisch unmittelbar beobachten lässt. Kommunikatives Handeln ist damit mehr als der absichtsvolle Austausch von Botschaften, es ist immer auch und vor allem die körperliche und performative Vermittlung und Herstellung von Identitäten und von sozialer Ordnung. Wo sich kommunikatives Handeln von Handelnden ablöst oder als abgelöst betrach­tet wird (wie etwa bei autonom arbeitenden digitalen Systemen), reden wir von Kommuni­kation. Da kommunikatives Handeln körperlich und materiell ist, lässt es sich ohne Bezug zum Raum gar nicht denken. Da es In-Beziehung-Setzen von mindestens zwei Standorten impliziert, lässt sich Raumkonstitution durch die Untersuchung von Kommunikationsprozessen empirisch hervorragend erschließen. Die Räumlichkeit von Kommunikation wandelt sich vor allem durch Prozesse der Mediatisierung.

Kontexturen/
Kontexte
Kontexturen/
Kontexte

Unter räumlichen Kontexturen verstehen wir institutionell bzw. material objektivierte räumliche Anordnungen, die individuelles und kollektives Handeln und Wissen translokal vermitteln. Unter räumlichen Kontexten verstehen wir räumliche Anordnungen, auf die Handeln und Wissen (u.a. auch vermittelt durch Kontexturen) bezogen ist.

Lokalisierung/
Translokalisierung
Lokalisierung/
Translokalisierung

Sprecher*in(nen):

  • Dr. Ignacio Castillo Ulloa

Lokalisierung meint Prozesse, durch die eine räumlich-kommunikative Figurationen mit einer konkreten Stellen auf materiellen Oberflächen (auf der Erde, auf dem Mond etc.) verknüpft bzw. in Beziehung gesetzt wird, wodurch ein Ort entsteht. Translokalisierung bezeichnet Prozesse, durch die eine räumliche-kommunikative Figuration mit mehreren Stellen auf materiellen Oberflächen gleichzeitig verknüpft bzw. in Beziehung gesetzt wird. Translokalisierung erfasst damit die Möglichkeit der Bezogenheit eines Ortes auf einen oder mehrere, wo auch immer liegende, andere Orte.

Macht
Macht

Wir begreifen Macht als eine asymmetrische Form der Wechselwirkung im kommunikativen Handeln zwischen Akteur*innen. Macht ist grundsätzlich relational und räumlich. Wenn sie an soziale Positionen gebunden ist, bildet sie einen Teil einer Figuration, deren sozialräumliche Figuren prägend für Regime, also die institutionalisierten Formen der Macht sind, wie etwa (nicht zentralisierte) Netzwerke oder hierarchisch organisierte Territorien.

Materialität
Materialität

Den Begriff der Materialität nutzen wir für diejenigen Aspekte von Räumen, die durch die Körperlichkeit des kommunikativen Handeln und durch die Sinnlichkeit des subjektiven Erlebens (etwa in der Erfahrung von Widerstand) zugänglich werden. Institutionen, wie beispielsweise Grenzziehungen, werden selbstevidenter, wenn sie eine physisch-materielle Form annehmen; viele Rituale sind ohne die Handhabung physischer Objekte nicht denkbar und Gebäude können zu materiellen Trägern von Erinnerungen und Werten werden. Der Begriff der (sinnlich erfahrbaren) Materialität geht über das Sinnhafte, Denkbare oder Imaginäre hinaus, das über (materielle) Zeichen vermittelt wird. Nicht-menschliche Akteure, materielle Objektivationen, Medien und Infrastrukturen spielen eine tragende Rolle als wirkende Kräfte der Refiguration.

Mediatisierung
Mediatisierung

Unter Mediatisierung verstehen wir die Veränderungen der medialen Vermittlung kommunikativen Handelns. In Anlehnung an Krotz und Hepp gehen wir davon aus, dass die Mediatisierung zu neuen (auch „kommunikativen“) Figurationen führt. Diese umfassen die Beziehungs- und Machtstrukturen ebenso wie die damit verbundenen soziotechnischen Infrastrukturen. Während Mediatisierung im Sinne von Krotz einen langfristigen globalen („Meta-“)Prozess bildet, haben wir es im von uns beobachteten Zeitraum mit sehr spezifischen Prozessen der Mediatisierung zu tun, die mit der rasanten Ausbreitung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (Internet) zusammenhängen. Die gegenwärtige Form der Mediatisierung zeichnet sich durch eine fortschreitende Digitalisierung aus, die die Translokalisierung von Akteur*innen und Handlungen verstärkt und die zunehmende Polykontexturalisierung ermöglicht.

Multiple Spatialities
Multiple Spatialities

Sprecher*in(nen):

  • Dr. Jochen Kibel

Multiple spatialities zielen auf Unterschiede, Variationen, aber auch Ähnlichkeiten und Verbindungen, die sich in der methodologisch vergleichenden Analyse von Räumen ergeben. Mit der Perspektive der multiple spatialities streben wir an, in der Aktivität des Vergleichens bzw. In-Beziehungsetzens die Begrenzung des Forschungsgegenstandes auf abgeschlossene, diskrete, zumeist territorial vordefinierte Räume zu vermeiden. Räume sind keineswegs nur durch in sich geschlossene politische, ökonomische oder kulturelle Systemlogiken bestimmt, sondern folgen auch anderen Raumlogiken (Bahnen, Netzwerke, Orte) und weisen dement­sprechende Verbindungen, Brüche und Unwuchten auf allen Skalen auf. Multiple spatialities lassen sich auf den verschiedenen Ebenen (Wissen, Handeln, Institution und Zirkulation) operationalisieren, wie zum Beispiel die Infrastrukturen bei Stadt/Land-Unterschieden. In diesem Sinne umfassen multiple spatialities als Oberbegriff auch die Beobachtungs­standpunkte der Handelnden und der Forschenden, die miteinander in Beziehung gesetzt werden. Multiple spatialities ermöglichen die Identifikation der variaties of refiguration.

Netzwerkraum
Netzwerkraum

Der Netzwerkraum entsteht aus der Logik der Assoziation. Inklusion und Exklusion werden nicht durch territoriale Nähe, sondern durch Prozesse der Verbindung und Verknüpfung oder durch Schnittstellen (oder deren Fehlen) organisiert.

Network Space
Network Space

  • Zozan Baran

References:

Glückler, J. (2007). Economic geography and the evolution of networks. Journal of Economic Geography, 7 (5), 619–634, https://doi.org/10.1093/jeg/lbm023

Mitchell, J.C. (1969) The concept and use of social networks. In J.C.Mitchell (ed.) Social Networks in Urban Situations. Analyses of Personal Relationships in Central African Towns, pp.1–50. Manchester: Manchester University Press.

Löw, M. (2020). In welchen Räumen leben wir? Eine raumsoziologisch und kommunikativ konstruktivistische Bestimmung der Raumfiguren Territorialraum, Bahnenraum, Netzwerkraum und Ort. In J. Reichertz (ed.) Grenzen der Kommunikation. Kommunikation an den Grenzen, pp. 149-164. Weilerswist: Wellbrück Wissenschaft.

Weidenhaus, Gunter (2015): Soziale Raumzeit, Berlin: Suhrkamp.

Objektivation/
Objektivierung
Objektivation/
Objektivierung

Sprecher*in(nen):

  • Dr. David Joshua Schröder

Mit Objektivierung meinen wir den Prozess, durch den Resultate menschlichen Handelns (wie etwa Kommunikationsformen, räumliche Anordnungen oder materielle Objekte) zu einem Teil der objektiven Wirklichkeit einer sozialen Gruppe (und damit zu Objektivationen) werden. Während sich die Soziologie lange Zeit vor allem für immaterielle Objektivationen (wie Sprache, Rollen, Wissensformen etc.) interessiert hat, lässt sich der Begriff auf materielle Objekte, mediale Eigenschaften und modale Erfahrbarkeiten (wie Gebäude, Grenzanlagen, technische Kommunikationsmedien, Sinnesmodalitäten) anwenden. Der Begriff umfasst nicht nur sinnhafte, sondern auch sinnliche Gebilde, die eine intersubjektive Bedeutung teilen, diskursiv vermittelt und beispielsweise über Narrationen oder Argumentationen legitimiert werden können.

Ordnung
Ordnung

Wir verstehen Ordnungen als Figurationen. Diejenigen, die Teil der Figurationen sind, verfü­gen über ein (allerdings keineswegs unbedingt adäquates oder legitimes) Wissen über die ordnenden Strukturen.

Ort
Ort

Sprecher*in(nen):

  • Dr. Ignacio Castillo Ulloa

Wir gehen von einem nicht-essentialistischen Ortsverständnis aus und verstehen unter einem Ort eine benennbare Stelle, an der die Welt auf spezifische Art und Weise anwesend ist. Die räumliche Figur des Ortes folgt der Logik der Identität und der heterogenen, dynamischen Begegnungen. Orte entstehen durch die Platzierung von Akteur*innen, Objekten und Technologien, wobei sie nicht mit dieser Platzierung identisch sind. Über einen gewissen Zeitraum können Orte auch ohne das (zuvor) Platzierte beziehungsweise nur durch die symbolische Wirkung der Platzierung erhalten bleiben. Die Konstitution von Raum bringt damit systematisch Orte hervor (Lokalisierung), so wie Orte die Entstehung von Raum erst möglich machen. Orte sind oft mit starken Affekten belegt und/oder Ankerpunkt für kollektive Erinnerung. An/in ihnen können sich Machtverhältnisse realisieren. Orte lassen sich auf allen Skalenebenen denken, im „Weltraum“, auf der „Erde“, in der „Stadt“, in der „Nachbarschaft“ und am „Platz“.

Polykontexturalisierung
Polykontexturalisierung

Sprecher*in(nen):

  • Dr. Gunter Weidenhaus

Polykontexturalisierung bezeichnet die Heterogenisierung der Referenzen des Handelns. Unter räumlichen Kontexturen verstehen wir institutionell bzw. material objektivierte räumliche Anordnungen, die individuelles und kollektives Handeln und Wissen translokal vermitteln. In Ergänzung zu Luhmanns Vorschlag der „Polykontextualisierung“ werden im – insbesondere durch Digitalisierungsprozesse verstärkt, beschleunigt und vermehrt – mediatisierten kommunikativen Handeln simultane Bezüge zwischen verschiedenen materiellen räumlichen Anordnungen möglich, die auch unterschiedliches Raumwissen sowie unterschiedliche körperliche Platzierungsanforderungen gleichzeitig relevant machen. Der Begriff schließt damit multiple räumliche Syntheseleistungen ein, die, auf der Grundlage materialer Infra­strukturen und Kontexturen, Akteur*innen translokal in ihren Handlungen und deren jeweiligen auch sinnhaften Kontexten miteinander verknüpfen.

Praktiken
Praktiken

Unter Praktiken verstehen wir routinisierte kommunikative Handlungen. Praktiken vollziehen sich im Modus des Selbstverständlichen, sie basieren auf einem praktischen, verkörperten Wissen, das habitualisiert, sedimentiert und so routinisiert wurde, dass es zu seinem Vollzug keiner gesonderten Reflexion bedarf.

Queer Spaces
Queer Spaces

  • Dr. Sung Un Gang

Raum/
relationaler Raum
Raum/
relationaler Raum

Wir verstehen unter Räumen die relationalen Anordnungen platzierter und platzierender Akteur*innen, Objekte und Technologien. Wichtig für dieses relationale Verständnis von Raum ist, dass weder die Elemente, die den Raum bilden, noch die Beziehungen zwischen diesen Elementen theoretisch als vorgelagert gedacht werden. Raum lässt sich vielmehr empirisch von beiden Seiten her aufschlüsseln. Ferner werden Raum und Soziales (kommunikatives Handeln) als sich gegenseitig konstituierend betrachtet. Das heißt, Räume sind durch das Soziale geprägt, umgekehrt wirken Räume an der Ordnung des Sozialen mit. Räume können unterschiedliche Formen annehmen wie beispielsweise Netzwerk, Zone, Bahn, Lager oder Territorium. Gemeinsam ist allen Räumen der relationale Charakter einer Verknüpfung von Materialität und Akteur*innen.

Raumanordnung
Raumanordnung

Eine Raumanordnung ist als eine stets temporär gedachte und zeitweise verfestigte räumlich-kommunikative Figuration zu verstehen. Wird der Begriff der Raumanordnung (im Unterschied zum Begriff des Raumes) benutzt, so um im jeweiligen Kontext die Prozesshaftigkeit von Platzierungen und ihre ordnungsbildende Rolle durch Syntheseleistungen zu betonen.

Raumerfahrung
Raumerfahrung

Der phänomenologischen Tradition (Schütz) folgend verstehen wir unter Erfahrung die typisierende Zuwendung des Subjekts auf seine abgelaufenen Erlebnisse. Das heißt, Subjekte erleben zunächst die (räumliche) Welt, ohne darüber nachzudenken. Diese Erlebnisse lagern sich ab. Sobald eine neue Situation auftaucht, in der das erste Erlebnis erinnert und zu der neuen Situation in Relation gesetzt wird, beginnt Erfahrung. Die Summe der Erfahrungen bildet den individuellen WissensvorratRaumerfahrung bezeichnet die räumliche Dimension der Erlebnissortierung.

Raumfigur
Raumfigur

Wir unterscheiden topologische und topographische Raumfiguren. Topologische Raumfiguren bezeichnen identifizierbare relationale Muster räumlicher Anordnungen, die als räumliche Logiken Handlungen und Praktiken ausrichten und sich in den daraus resultierenden institutionellen Raumanordnungen, materialen Objektivationen und Zirkulationen niederschla­gen. Wir unterscheiden idealtypisch zwischen vier Raumfiguren: Netzwerk-, Bahnen-, Territorialraum und Ort. Topographische Raumfiguren hingegen sind empirisch gewonnene und an konkrete Anordnungen und Figurationen gebundene Figuren (vom Strudel über die Zwiebel, den Spalt, die Kapsel und die Schwelle bis zur Brücke). Für die Räumlichkeit des Sozialen spielen sie eine ähnliche Rolle wie Metaphern für die Sprache.

Raumkonstitution/
Raumkonstruktion
Raumkonstitution/
Raumkonstruktion

Konstitution von Raum verstehen wir als einen Prozess, der auf zwei analytisch zu trennenden, jedoch gleichzeitig stattfindenden Vorgängen beruht, der Syntheseleistung und der notwendig materialitätsbezogenen Platzierungspraxis, genannt Spacing. Mit dem Begriff der Raumkonstruktion bezeichnen wir die ideellen und materiellen Dimensionen des Raumes, zum Beispiel von erschaffenen Infrastrukturen oder physisch-räumlichen (An-)Ordnungen als Teil einer sozial geteilten, gemeinsamen Raumwirklichkeit. Raumkonstruktion kann sowohl einen Prozess als auch das Ergebnis eines Prozesses bezeichnen, in dem Akteur*innen im Rahmen ihres aufeinander bezogenen kommunikativen Handelns eine – mehr oder weniger – gemeinsam geteilte Raumwirklichkeit erschaffen.

Räumlich-
kommunikative
Figuration
Räumlich-
kommunikative
Figuration

Der Begriff der räumlich-kommunikativen Figuration dient uns als Oberbegriff für die Integration von Raumtheorie, kommunikativem Konstruktivismus und Elias’scher Prozessperspektive. Wir verstehen darunter ein dynamisches Geflecht räumlich-kommunikativer Beziehungen, das sich nicht nur stetig wandelt, sondern in einer Wandlungsordnung entfaltet.

Raumpraktiken
Raumpraktiken

Mit dem Begriff der Raumpraktiken erfassen wir routinisierte und vorwiegend auf körperlichen kommunikativen Handlungen basierende Formen der Konstitution von Räumen.

 

Raumstrukturen
Raumstrukturen

Von Raumstrukturen sprechen wir, wenn die Konstitution von Räumen, das heißt Spacing und/oder Syntheseleistung in Regeln eingeschrieben und durch Ressourcen abgesichert ist. Raumstrukturen sind damit das Ergebnis räumlicher Institutionalisierung; sie umfassen sowohl materielle Objektivationen (wie Straßen, Netzwerkkabel, Kontrollzentren, Grenzzäune etc.) als auch institutionalisierte räumliche Syntheseleistungen (z. B. „Vorlesungssaal“, „Hotel“, „Wirtschaftsraum“ etc.).

Raumwissen/
Raumvorstellungen
Raumwissen/
Raumvorstellungen

Raumwissen umfasst für uns das (sozialisierte) subjektive Erleben und Erfahren von Raum, die Raumvorstellungen sowie die mit dem Raum verbundenen Emotionen und Affekte. Subjektives Raumwissen kann etwa körperlich, sprachlich oder visuell objektiviert sein und damit untersucht werden. Es wird von institutionellen Wissensbeständen geprägt, wie sie in Wissenschaft, Schule oder Kunst produziert und vermittelt werden. Diese vermitteln den Subjekten Vorstellungen darüber, in welchen Räumen sie leben, wie diese Räume angeordnet sind und wie mit ihnen umgegangen werden soll. Dies impliziert beispielsweise die lebensweltliche Überzeugung darüber, was „nah“ und was „fern“ ist, aber auch Wissen über die Skalierung von Räumen oder die Vorstellungen darüber, wie die Welt als solche räumlich figuriert ist und wo man sich selbst in dieser Figuration verortet.

Refiguration
Refiguration

Sprecher*in(nen):

  • Prof. Dr. Hubert Knoblauch

Unter Refiguration verstehen wir den prozesshaften und spannungsreichen sozialen Wandel räumlicher Figurationen, der auch auf Spannungen zwischen verschiedenen Raumfiguren zurückzuführen ist. Refiguration bezeichnet einen gesellschaftlichen Prozess des räumlich verstandenen sozialen Wandels, der sich auf der Ebene des Wissens, des kommunikativen Handelns, der Praktiken wie auch der Institutionen als digitale Mediatisierung, Translokali­sierung und Polykontexturalisierung vollzieht. Mit dem Begriff fokussieren wir auf die Spannun­gen, durch die Konflikte auftreten (können). Wir streben an, damit die daraus resultierenden räumlichen Dynamiken sozialen Wandels zu erklären. Refiguration betont die Gleichzeitigkeit von unterschiedlichen Entwicklungen im Vergleich unterschiedlicher Räume (Quartiere, Städte, Nationen) und Raumfiguren, im Nebeneinander von unterschiedlichen Dynamiken am gleichen Ort. Einen besonderen Schwerpunkt legen wir auf die Refigurationsprozesse seit den späten 1960er Jahren, die sich durch besondere Spannungen zwischen territorialen Raumordnungen und den durch intensivierte Globalisierung und digitale Mediatisierung ausgeweiteten Netzwerkräumen, aber auch Bahnräumen und Orten auszeichnet. Der Begriff der Refiguration hat damit über sein gesellschaftstheoretisches Potenzial hinaus auch ein diagnostisches Potenzial, das auf eine Reihe von Konfliktfeldern verweist, wie die Grenzen der Pluralisierung, die Politiken der Infrastrukturierung und die Brüche der Ökologisierung.

Raumregime
Raumregime

Über Regime können wir konzeptualisieren, wie sich machtvolle Akteur*innen gegenüberstehen und miteinander um Dominanz und Deutungshoheit über Räume ringen. Während wir unter den Figurationen auf das Was der Interdependenzketten fokussieren, fassen wir unter Regime eher das Wie, also die Dynamik sozialer Ordnung, die Nutzung von Ressourcen und die kontinuierliche Anpassung der Beziehungen vielfältiger Akteure, darunter staatliche und nicht­staatliche (einschließlich nicht-menschlicher Akteur*innen). Über Regime können wir konzeptuali­sieren, wie sich machtvolle Akteur*innen gegenüberstehen und miteinander um Dominanz und Deutungshoheit über Räume ringen.

Spacetime Mapping
Spacetime Mapping

Spacetime mapping ist eine Unterkategorie von hybrid mapping, in der (multiple) Räumlich­keiten mit (multiplen) Zeitlichkeiten in Beziehung gesetzt werden. Spacetime mappings zielen darauf ab, raum-zeitliche Situationen und Strukturen aus ihrer Komplexität heraus „zu zeichnen“. Sie sind besonders geeignet, um nicht-lineare, nicht-hegemoniale Zeitlichkeiten zu berücksichtigen, wie zum Beispiel die zirkuläre Zeit, die jahreszeitliche Zeit, deep time, die geologische Zeit, Zeitbrüche etc. Dies kann die Integration von zeitbasierten Medien (wie etwa Video oder Animationen) in die Multimodalität des hybrid mappings beinhalten.

Spacing
Spacing

Sprecher*in(nen):

  • Prof. Dr. Martina Löw

Spacing bezeichnet im weitesten Sinne das Positionieren von Akteur*innen, Objekten und Technologien. Ein mikrosoziologisches Beispiel für Spacing wäre das Einräumen der Waren im Supermarkt, ein makrosoziologisches das Ziehen von Grenzen um Staaten oder die gezielte Verknüpfung von Computern an unterschiedlichen Orten der Welt.

Spannungen/
Konflikte
Spannungen/
Konflikte

Da Gesellschaften immer Differenzierungen etwa nach Alter, Geschlecht, race, Klasse und anderen sozialen Kategorien aufweisen, gehören Spannungen und Konflikte zu ihren Grundzügen. Wir fokussieren im SFB auf die mit Räumen verbundenen Spannungen und Konflikte. Dabei untersuchen wir zum einen Konflikträume als die räumlichen Formen sozialer Konflikte, die sich skalenübergreifen in körperlichen Handlungen, institutionellen oder diskursiven Auseinandersetzungen ausdrücken können. Zugleich nehmen wir erklärend auch Raumkonflikte in den Blick, also die räumlichen Dynamiken, die zu Konflikten führen. Eine tragende Rolle für diese Erklärung spielen für uns die verschiedenen Raumlogiken des kommunikativen Handelns, die durch die Raumfiguren idealtypisch gefasst werden und die sich empirisch in Figurationen ausdrücken. Die Raumfiguren können aus ihrer Logik heraus zu Spannungen und in der Folge zu Konflikten führen, aber auch zu Neu-Anordnungen und „Containments“.

Subjekt
Subjekt

Mit dem Subjektbegriff fassen wir die Art und Weise, wie sich Menschen als denkende, handelnde und fühlende Wesen verstehen lassen, die sich dadurch zu anderen und zur Welt in Beziehung setzen. Wir gehen davon aus, dass sich Subjekte in sozialen Relationen formen, sich durch und im kommunikativen Handeln ausbilden und durch das in Diskursen vermittelte Wissen und in Institutionen verfestigte Handlungsformen subjektivieren. Als Verkörperte sind die Subjekte psychogenetisch den veränderten räumlichen Figurationen unterworfen, wie sie selbst als Teile der Interdependenzrelationen die Figurationen soziogenetisch mit beeinflussen.

 

Syntheseleistung
Syntheseleistung

Sprecher*in(nen):

  • Prof. Dr. Martina Löw

Syntheseleistung ist ein leiblich vollzogener Bewusstseinsprozess, über den Ensembles von Akteur*innen, Objekten und Technologien zu Räumen zusammengefasst werden. Bildlich gesprochen sorgt die Syntheseleistung zum Beispiel dafür, dass wir bei einer sinnlich wahrgenommenen Ansammlung von Bäumen einen „Wald“ sehen oder eine bestimmte Anordnung von Tischen und Stühlen als „Seminarraum“ erkennen. Die Syntheseleistung lässt sich analytisch untergliedern in Prozesse des Vorstellens, Wahrnehmens und Erinnerns von Räumen, die jeweils einen leiblichen Bezug (wahrnehmend, handelnd, wirkend) aufweisen. Die Syntheseleistung ist von Wissen abhängig und deswegen kulturell variabel, das heißt, jede Kultur bringt typische Modi des Vorstellens, Wahrnehmens und Erinnerns von Räumen hervor. Sie bilden die Kontexte, auf die Handeln und Wissen (u.a. auch vermittelt durch Kontexturen) bezogen ist und die also auch durch Zeichen gebildet und aus Imaginationen bestehen können.

Territorialraum
Territorialraum

Territoriale Räume folgen der Logik der Abgrenzung. Durch Grenzziehung wird ein Innen und ein Außen festgelegt. Ausschluss und Einschluss werden durch Abgrenzungen organisiert. Territorialräume weisen eine Tendenz zur Homogenisierung der innen platzierten Elemente auf (im Nationalstaat zum Beispiel durch die Behauptung der Ähnlichkeit der Einwohner*innen im Unterschied zu den als fremd konstruierten Einwanderer*innen oder Besucher*innen).

Translokalität/
Translokalisierung
(Translocality/
Translocalization)
Translokalität/
Translokalisierung
(Translocality/
Translocalization)

  • Dr. Daniela Stoltenberg

Translokalität bezeichnet den Umstand, dass soziale Einheiten wie Familien, Freundschaften oder Religionsgemeinschaften, aber auch Dinge und Technologien in Zirkulationen eingebunden und an mehreren Orten verankert sind. Mit Translokalisierung, also mit dem Suffix „-sierung“ im Unterschied zu „-tät“, betonen wir die Aktivität des Verknüpfens jener Orte, an denen zirkulierende Objekte, Techniken und Akteure zeitweilig lagern oder als platziert imaginiert werden. Translokalisierung fasst damit die Möglichkeit der Bezogenheit eines Ortes auf einen oder mehrere, wo auch immer liegende andere Orte. Dadurch, dass die Möglichkeiten und Notwendigkeiten zunehmen, Orte relational zueinander zu verketten – so unsere Annahme – verschwimmen gängige Vorstellungen von Nähe und Ferne sowie von Lokalem und Globalem. Translokalisierung, so die weitere Annahme, führt nicht zu einer Abwertung der Orte, sondern zu einer steigenden Relevanz von Ortsbindungen, weil durch die Translokalisierung Orte und das Gefühl des Belongings/der Zugehörigkeit relational erfahren werden. Während Translokalität die Raumanordnung verknüpfter Orte bezeichnet, liegt der Begriff der Translokalisierung auf der Ebene des kommunikativen Handelns und fragt nach Veränderungen von Räumen insbesondere durch die Mediatisierung, wie sie etwa in der „synthetischen Situation“ zum Ausdruck kommt.

Urban/Rural
Urban/Rural

  • Dr. Ariane Sept

Varianten der Refiguration
Varianten der Refiguration

Wir sprechen gesellschaftstheoretisch von Refiguration (im Singular), da alle Aspekte (die Spannung zwischen verschiedenen räumlichen Figurationen, die digitale Mediatisierung des Handelns sowie die Dynamisierung von Räumen) weltweit zu beobachten sind. Refiguration verläuft jedoch keineswegs homogen, sondern entfaltet sich in verschiedenen Kontexten und Kontexturen in unterschiedlichen Spielarten. Als varieties of refiguration bezeichnen wir daher die konkreten Figurationen und neuen Raumanordnungen, die sich im Zuge der Refiguration in unterschiedlichen Gesellschaften, gesellschaftlichen Gruppen und Regionen/Städten ausprägen. Varieties of refiguration zeigen die spezifischen qualitativen Merkmale dieser Ausprägungen auf und nehmen damit die Ausbildung von Raumabhängigkeiten durch die jeweils dominierenden Regimes in den Blick. Varieties of refiguration können sich auf territorialer Ebene etwa als Makroregionalisierung zeigen, sie drücken sich aber auch in unterschiedlichen Netzwerkfigurationen oder Stadt-/Landdifferenzen aus. Die vergleichende Perspektive der multiple spatialities des SFB ermöglicht es methodologisch, die Verwobenheit und Vielfalt der varieties of refiguration auf verschiedenen Skalenebenen zu analysieren und im Rückbezug zur Positionalität der Forschenden zu relationieren.

Visual Spatialities
Visual Spatialities

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Wissen
Wissen

Während „Sinn“ die subjektive Orientierung von Akteur*innen bezeichnet, bezieht sich der Begriff „Wissen“ auf den sozial vermittelten, sozial anerkannten und geltenden Sinn, der typischerweise das Handeln leitet. Wissen umfasst nicht nur explizite und sprachliche Formen, sondern auch „implizite“ leibliche („Sehgemeinschaften“), habitualisierte („Körpertechniken“) und routinisierte Praktiken bis hin zu den basalen lebensweltlichen Kategorien von Zeit und RaumWissen wird in Zeichen, Körpern, Artefakten und Technologien objektiviert, die im Handeln jeweils situativ realisiert werden. Weil das meiste Wissen der Akteur*innen von anderen und über andere erworben wird, ist es vom jeweiligen sozialen Standpunkt, der sozialen Verteilung des Wissens und den damit verbunden räumlichen, milieuhaften, klassen­bedingten und anderen Wissensstrukturen, Wissenskulturen und „Communities of Practice“ abhängig. Wissen differenziert sich zudem auch nach der institutionellen Ordnung, den damit verbundenen Sonderwissensbestände (Expert*innen/Professionelle) wie auch nach den Strukturen der sozialen Ungleichheit (Alter, Geschlecht, Klassen etc.). Da Wissen definiert, was als Wirklichkeit konstruiert wird, ist es eine der zentralen gesellschaftlichen Quellen von Macht.

World System
World System

  • Lara Espeter

Youth
Youth

  • Dr.-Ing. Anna Juliane Heinrich

Zirkulation
Zirkulation

Zirkulation beschreibt verkoppelte Bewegungen von Menschen, Gütern und Technologien zwischen Orten. Sobald sich diese verkoppelten Bewegungen zu verfestigen beginnen, entstehen Raumanordnungen. Mit anderen Worten: Zirkulation bezeichnet Ordnungen der Mobilität (von Menschen, Gütern und Technologien), die meist mit einer nichtmobilen Infrastruktur (aus Menschen, Gütern und Technologien) und institutionellen Struktur verbunden sind.

(Critical) Zone
(Critical) Zone

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